12. Januar 2024

Das neue Jahr bringt viel Neues mit sich. Von einer ganzheitlicheren Herangehensweise an Gesundheit und Wohlergehen bis hin zu kostensparenden Life-Hacks: Mit diesem Artikel über aktuelle Trends sind Sie bereit für einen gelungenen Start.

Bleibt die Umwelt angesichts der Polykrise auf der Strecke?  

Die letzten Jahre haben das Leben vieler Menschen durcheinandergewirbelt: globale Pandemie, Kriege, Energiekrise, Inflation und das außer Kontrolle geratene Klima. All diese Probleme bilden zusammen eine Polykrise, in der unterschiedlichen Spannungen und Konflikte einander verstärken. 

Ipsos führt weltweit Befragungen durch, um Trends zu verfolgen und Unternehmen zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Billie Ing und Matt Carmichael von Ipsos erkennen in der aktuellen Untersuchung vor allem Spannungen zwischen Preis, Komfort und Nachhaltigkeit. Das führt zu einem wahrgenommenen Werteverlust bei Markenzweck und Umweltbedenken.

„In der Polykrise setzen die Menschen Prioritäten neu. Dinge wie die Energiekrise und Inflation beherrschen das Denken der Leute zunehmend“, weiß Billie.

Allerdings sind nachhaltige Verhaltensweisen wie Recycling und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln mittlerweile zu festen Gewohnheiten geworden. Das ist für das vor uns liegende Jahr wichtig. Bedenkt man, dass 2023 das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war, müssen wir den Kampf gegen den Klimawandel unbedingt mit aller Kraft angehen.

„Viele sind der Meinung, ihr Leben sei komplizierter geworden. Daher setzen wir die Prioritäten neu. Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass wir nachhaltige Gewohnheiten verinnerlichen“, sagt Antonella Maccarone, Business Insights Leader bei Tetra Pak.

„Das möchten viele Marken und Unternehmen erreichen: Nachhaltigkeit als grundlegenden Hygienefaktor. Dieser Punkt ist für die Bewältigung der Klimakrise essenziell.“

Während die Weltwirtschaft florierte, konnten die Menschen sich um die Probleme des Planeten kümmern. Doch heute müssen sie vor allem die Probleme in ihrer eigenen kleinen Welt lösen.

„Die Sorge um das Klima hat einen Scheidepunkt erreicht. Das ist keine gute Nachricht für den Kampf gegen den Klimawandel. Die gute Nachricht ist, dass solche Spannungen sich im Laufe der Zeit ändern. Trotz des nachlassenden Interesses steht das Klima bei den Menschen noch immer weit oben auf der Prioritätenliste“, sagt Matt.

Drei Viertel der Befragten stimmen zu, dass wir auf eine Umweltkatastrophe zusteuern, wenn wir unsere Gewohnheiten nicht schnell ändern. Menschen neigen nach wie vor dazu, nachhaltige Entscheidungen zu treffen – soweit es in ihrer Macht steht. Für uns bedeutet das, dass wir die nachhaltige Wahl zur besten Wahl machen sollten.

„Das möchten viele Marken und Unternehmen erreichen: Nachhaltigkeit als grundlegenden Hygienefaktor. Dieser Punkt ist für die Bewältigung der Klimakrise essenziell. Aber leider ist die Sache kompliziert: Es erfordert Systemdenken, da alle Elemente der Lieferkette betroffen sind. Das verlangt Unternehmen und Verbrauchern im Augenblick hohe Kosten ab. Doch wir müssen dieses Ziel erreichen“, erklärt Antonella.

Life-Hacks und Marken als Influencer  

Die Menschen sind in derart turbulenten Zeiten erfinderisch. Kein Wunder, dass Life-Hacks immer beliebter werden! Das zeigt sich auch in der Trendipedia, unserem zweijährlichen Bericht über aktuelle Verbrauchertrends, zu dem Ipsos ebenfalls beigetragen hat.

In den sozialen Medien sind Food-Hacks beliebt. Influencer und ganz normale Leute stellen dabei kreative Möglichkeiten im Kampf gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln vor. Zum Beispiel machen Influencer auf TikTok Vorschläge, wie sich Obst- oder Gemüsebestandteile nutzen lassen, die normalerweise weggeschmissen werden.

„Die Menschen suchen nach Möglichkeiten, mehr für ihr Geld zu bekommen. In den letzten Jahren sind die Menschen Influencern und sozialen Medien gefolgt, um Dinge zu lernen. Heute gibt es Unternehmen, die ebenfalls ihre Hilfe anbieten. Das dürfte ein gewichtiger Trend werden“, sagt Billie. 

Der Mayonnaise-Hersteller Hellmann’s erklärt Verbrauchern seit einer Weile, wie man mit seinem Produkt Salat am zweiten Tag aufpeppen kann. Bestimmt werden weitere Marken in der bisher von Influencern besetzten Ratgebernische Fuß fassen wollen. 

„Unternehmen haben jetzt die Gelegenheit, auf diesen Zug aufzuspringen und Verbrauchern zu helfen. Sie können Ratschläge erteilen, aber auch praktische Schritte unternehmen und zum Beispiel neue Verpackungsgrößen oder wiederverschließbare Verpackungen anbieten, um der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten. Einige unserer Kunden haben uns gefragt, wie sie Ausschuss und Reste aus der Produktion für neue Produkte nutzen können“, berichtet Antonella.

Treber ist ein Nebenprodukt, das beim Brauen anfällt. Er ist reich an Ballaststoffen und Proteinen. Da er sehr schnell verdirbt, werden jedes Jahr etwa 40 Millionen Tonnen als Tierfutter verwendet oder auf Deponien entsorgt. 

„Wir haben einen Weg gefunden, dieses Abfallprodukt in der Lebensmittelindustrie nutzbar zu machen. Wir können den Treber zu einer wertvollen flüssigen Zutat aufbereiten, die die Zukunft von Getränken auf pflanzlicher Basis mitgestalten kann“, erklärt Antonella.

Ganzheitliche Menschen mit ganzheitlichen Bedürfnissen  

Die Menschen wollen zunehmend ein gesünderes Leben führen. Seelische Gesundheit ist ein Trendthema, das während der Pandemie aufgekommen und bisher ungebrochen ist.

„Die Leute erkennen, dass wir ganzheitliche Wesen sind. Die seelische Gesundheit ist untrennbar mit der körperlichen Gesundheit verbunden – und umgekehrt. Und als Menschen benötigen wir außerdem einen gesunden Planeten.“

„Die Menschen erkennen, dass Lebensmittel und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft sind, aber sie erkennen auch die wichtige Wechselbeziehung zwischen Lebensmittel und der körperlichen und seelischen Gesundheit. Es gibt immer mehr seelische Probleme. Darum ist es höchste Zeit, Lebensmittel in den Fokus zu rücken, die unser seelisches und körperliches Wohlbefinden stärken können“, sagt Antonella.

Ein Beispiel sind die bei Verbrauchern zunehmend beliebten funktionellen, nährstoffreichen Getränke, die schon seit mehreren Jahren spezifische Vorteile wie die Stärkung des Immunsystems versprechen. Aktuell liegt der Trend bei Innovationen auf Proteinen und Energie – bisher eher ein Verkaufsargument für Nischenprodukte im Sportbereich. Doch heute möchten Verbraucher ihr Training optimieren, etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen tun oder ihre tägliche Ernährung verbessern. Damit rücken diese Produkte stärker in den Mainstream.

Es ist auch interessant, einige der am schnellsten wachsenden Plattformen im Blick zu behalten. Dazu gehören kognitive Gesundheit und Hautgesundheit. Die Verbindung zwischen Gehirn und Darm ist mittlerweile vielen Menschen bekannt. Daher fordern sie Produkte, die helfen, das Gehirn gesund zu halten, fokussiert und konzentriert zu bleiben sowie Stress und Ängste im Zaum zu halten. Bei Hautgesundheit geht es darum, gut zu altern das eigene Aussehen zu verbessern. Schwerpunkte sind Feuchtigkeitsversorgung und Inhaltsstoffe wie Collagen.

„Es gibt so viele parallele Aspekte wenn wir uns mit körperlicher, seelischer und planetarer Gesundheit befassen oder mit Dingen, die wir unserem Körper zuführen. Gleichzeitig überrollt uns eine Epidemie von Erkrankungen wie Diabetes und Fettleibigkeit, eine Epidemie von Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Die Welt erkennt langsam, aber sicher, welche Rolle Lebensmittel dabei spielen. Wie viele verarbeitete Lebensmittel es gibt – und wie sie auf uns wirken. Die Menschen erkennen, dass wir ganzheitliche Wesen sind. Die seelische Gesundheit ist untrennbar mit der körperlichen Gesundheit verbunden – und umgekehrt. Und dass wir mit dem Planeten verbunden und auf ihn angewiesen sind“, erklärt Matt. 

Das ist ein Bereich, in dem Unternehmen und Marken eine wichtige Rolle ausfüllen können. Sie haben das Potenzial und die Verantwortung, Menschen bei einem gesünderen Lebenswandel zu unterstützen.

„Wir müssen gemeinsam ein Bewusstsein dafür schaffen, was gesund ist, und den Verbrauchern zeigen und verständlich machen, welche Entscheidungen sie treffen können, um gesünder zu werden oder zu bleiben. Dazu möchten wir unseren Teil beitragen“, sagt Antonella.

Menschen, die Sushi essen

„Eatertainment“ und sich wandelnde Esskulturen 

Lebensmittel spielen in unserem Leben eine zentrale Rolle. Lebensmittel sind nicht nur etwas, das wir brauchen, um unseren Körper am Leben zu halten. Mit neuen Konzepten wie „Eatertainment“ werden Lebensmittel zunehmend mehr als nur eine Mahlzeit. Sie werden zu einem Erlebnis.

„Wir beobachten viele gamifizierte Erlebnisse, kreative Ideen, Menschen, die sich gegenseitig herausfordern, neue Geschmacksrichtungen und Kombinationen auszuprobieren, Menschen, die Insekten über ihren Salat streuen, um ihn spannender zu machen. Ich denke, bei all diesen neuen Innovationen ist es wichtig, sich zu fragen: Wie werden sie Teil unserer Gesellschaft und Kultur? Und wie stellen wir sicher, dass sie gut für uns und den Planeten sind?“ sagt Matt.

Es ist eine verrückte Welt – aber vielleicht sind wir auf einem guten Weg

Es scheint offensichtlich, dass ein ganzheitliches Verständnis von körperlicher Gesundheit, geistigem Wohlbefinden und unserem Einfluss auf den Planeten auch langfristig relevant sein wird. Immer mehr Menschen erkennen, welche wichtige Rolle Lebensmittel dabei spielen: von den riesigen Mengen an Lebensmitteln, die täglich verschwendet werden, bis hin zu dem Potenzial, das Lebensmittel haben, unser Wohlbefinden zu verbessern.

„Immer mehr Menschen erkennen, wie eng Ernährung und Gesundheit zusammenhängen.  Und auch wenn es in der Welt drunter und drüber geht, geben weltweit 73 % der Menschen an, dass sie glücklich sind.“

„Wir alle verstehen Greta Thunbergs Aussage, dass unser Haus in Flammen steht. Diese Sorge eint Menschen auf der ganzen Welt, aber jetzt brauchen wir Lösungen, die nachhaltige Entscheidungen zur naheliegenden und selbstverständlichen Wahl machen“, sagt Antonella.

Und was ist laut Billie der positivste Trend? Vielleicht sind wir insgesamt auf einem guten Weg.

„Immer mehr Menschen erkennen, wie eng Ernährung und Gesundheit zusammenhängen. Und das ist eine positive Entwicklung für die Zukunft unserer Welt, hin zu glücklicheren und gesünderen Menschen. Und auch wenn es in der Welt drunter und drüber geht, geben weltweit 73 % der Menschen an, dass sie glücklich sind. Das finde ich ermutigend“, sagt Billie.

Wenn Sie mehr über Verbrauchertrends erfahren möchten, besuchen Sie Trendipedia oder den neuesten Tetra Pak Verbraucherindex.

Ipsos ist ein globales Unternehmen für Marktforschung, Gesellschaftsforschung und Consulting mit Hauptsitz in Paris. Es ist in 90 Märkten aktiv. Ipsos wurde von GRIT vier Jahre in Folge als innovativstes Marktforschungsunternehmen weltweit ausgezeichnet und von Forbes und der Financial Times zu einer der besten Management-Consultingfirmen weltweit ernannt.

Billie Ing ist Global Head of Trends and Foresight bei Ipsos Strategy3, der Consulting-Abteilung von Ipsos, die mit Kunden zusammenarbeitet, um nachhaltige Wachstumschancen zu ermitteln und Planungen für die Nutzung dieser Chancen zu erstellen und umzusetzen. Als Leiterin des Bereichs „Trends and Foresight“ unterstützt sie Kunden dabei, auf dynamische Situationen zu reagieren, Zukunftsprognosen abzugeben und langfristige Erfolge vorzubereiten. Billie leitet auch das Global Trends Programme von Ipsos, eine jährliche Beurteilung der Trends, die menschliches Verhalten beeinflussen.

Matt Carmichael ist Head of the Ipsos Trends & Foresight Lab und Experte für Demografie, Verbrauchertrends und urbane Themen. Er kombiniert Prognosen und Einsichten als Gründer und Herausgeber der preisgekrönten Ipsos-Zeitschrift „What the Future“. Im globalen „Trends and Foresight“-Team trägt er zu Content, Entwicklung und Aktivierung des jährlichen Berichts „Ipsos Global Trends“ bei, der kürzlich in 50 Märkten weltweit veröffentlicht wurde.

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