29. September 2026
Für viele Menschen endet hier die Geschichte des Recyclings. In Wirklichkeit ist es der Anfang eines wichtigen Teils der Wertschöpfungskette.
Sammlung und Sortierung helfen dabei, Materialien in das Recyclingsystem zu überführen. Damit Recycling aber langfristig und in großem Maßstab funktioniert, müssen diese Materialien auch einer wertvollen Verwendung zugeführt werden. Recyclingunternehmen brauchen Märkte für ihre Produkte. Hersteller brauchen Vertrauen in die Materialien, die sie kaufen. Und Endprodukte müssen die Leistung bieten, die Kunden schätzen.
Diese Marktkräfte beschreiben wir als „Pull“-Mechanismen, die die Nachfrage steigern. Sie schaffen eine Nachfrage nach recycelten Materialien und tragen dazu bei, dass Investitionen in Sammlung, Sortierung und Recycling durch robuste Endmärkte unterstützt werden.
„Ein Recyclingsystem ist am stärksten, wenn auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette Wert geschaffen wird“, sagt Kinga Sieradzon, Vice President, Sustainability Operations bei Tetra Pak. „Wenn wiedergewonnene Materialien als wertvolle Ressourcen anerkannt werden, wird es einfacher, Investitionen anzuziehen, Innovationen zu fördern und langfristiges Wachstum zu unterstützen.“
Karton hat den größten Materialanteil an einer Kartonverpackung für Lebensmittel und Getränke und kann nach dem Recycling in einer Reihe neuer Produkte verwendet werden.
Die langen, starken Fasern, die aus Kartonverpackungen für Lebensmittel und Getränke gewonnen werden, sind für eine Vielzahl von Papieranwendungen wertvoll. Am wichtigsten ist dabei nicht ein einzelnes Endprodukt, sondern die Frage, ob diese Fasern nach dem Recycling zuverlässig genutzt werden können und im Kreislauf bleiben.
Lucart ist ein Beispiel dafür. Mit dem Sortiment EcoNatural stellt das Unternehmen aus wiedergewonnenen Kartonfasern Taschentücher, Toilettenpapier, Küchentücher, Servietten und andere Hygieneprodukte her. Das zeigt, wie aus diesen wiedergewonnenen Fasern nützliche Alltagsprodukte werden können, was dazu beiträgt, eine stetige Nachfrage nach Materialien zu schaffen, die sonst möglicherweise verloren gehen.
Die Bedeutung dieser Endmärkte geht über jede einzelne Anwendung hinaus. Sie tragen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Recyclings bei, indem sie überzeugendere Argumente dafür liefern, wertvolle Materialien im Umlauf zu halten.
„Die Chance besteht nicht einfach darin, Materialien zurückzugewinnen“, sagt Kinga. „Sie besteht darin, sicherstellen zu können, dass sie auch nach der Nutzung einen Mehrwert schaffen. Das trägt dazu bei, Recyclingsysteme auf Dauer widerstandsfähiger zu machen.“
Auch die nicht-faserhaltigen Materialien, die aus Kartonverpackungen für Lebensmittel und Getränke zurückgewonnen werden, spielen eine wichtige Rolle.
PolyAl, eine Kombination aus Polymeren und Aluminium, kann in langlebige Produkte für Logistik, Transport und Industrie umgewandelt werden. In verschiedenen Märkten finden Innovatoren neue Wege, diese Materialien in Produkte zu integrieren, die stabil und langlebig sein müssen.
In Südafrika zeigen modulare E-Paletten aus recyceltem PolyAl, wie diese Eigenschaften praktisch genutzt werden können. Die Paletten können 10- bis 15-mal öfter wiederverwendet werden als Holzpaletten und weisen 38 % weniger Bruchschäden auf. Das zeigt, dass recycelte Materialien mit klaren Leistungsvorteilen verbunden werden können. Ein weiteres Beispiel ist Unique Timber Plastics. Dort wird rohes PolyAl zu Pellets verarbeitet und sofort in derselben Anlage zur Herstellung von Kunststoffbrettern verwendet, die auf dem südafrikanischen Markt weit verbreitet sind. Die Einführung von PolyAl als Rohstoff veranlasste den Recycler dazu, aufgrund der höheren Stabilität und überlegenen Leistungseigenschaften im Herstellungsverfahren etwa 70 % seiner bisherigen Plastiknutzung durch PolyAl zu ersetzen.
Seit 2021 trägt das südafrikanische Rahmenwerk zur erweiterten Herstellerverantwortung dazu bei, dass mehr Kartonverpackungen in das Recyclingsystem gelangen. Gleichzeitig wird recyceltes PolyAl aus gebrauchten Kartonverpackungen als nützlicher Industriewerkstoff in Anwendungen wie modularen E-Paletten genutzt. Zusammengenommen zeigen diese beiden Aspekte auf, wie sich politische Vorgaben und Marktnachfrage gegenseitig verstärken können. Ein weiteres Beispiel ist Newpal in Italien. Das Unternehmen nutzt recyceltes PolyAl aus Kartonverpackungen für Lebensmittel und Getränke zur Herstellung seiner wiederverwendbaren Neo-Transportpaletten für Logistikanwendungen und schafft so einen klaren Endmarkt für zurückgewonnene Materialien.
Diese Paletten sind so konzipiert, dass sie in allen Logistiksystemen langlebig und effizient einsetzbar sind. Sie sind waschbar, desinfizierbar und rostfrei und verfügen darüber hinaus über ein Smart Label zur Rückverfolgbarkeit. Am Ende ihrer Nutzungsdauer können sie ebenfalls recycelt werden, was weiter dazu beiträgt, Materialien länger im Kreislauf zu halten.
Ähnliche Innovationen tragen dazu bei, das Anwendungsspektrum für PolyAl zu erweitern und die Nachfrage in der gesamten Recycling-Wertschöpfungskette zu steigern.
Im Zuge der Weiterentwicklung von Technologien vergrößert sich das Spektrum der potenziellen Nutzungsmöglichkeiten. Dadurch werden neue Chancen für zurückgewonnene Materialien geschaffen, die dazu beitragen, die Nachfrage im gesamten System zu stärken.
Gesammelte Kartonverpackungen können auch auf andere Weise recycelt werden, sodass die gesamte Verpackung erhalten bleibt.
Beim Recycling der gesamten Kartonverpackung bleiben alle Materialschichten, Verschlüsse und Trinkhalme während des gesamten Recyclingprozesses in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung erhalten. Anstatt die verschiedenen Komponenten zu trennen, wird die gesamte Kartonverpackung in langlebige Baumaterialien umgewandelt.
Wo eine geeignete Recyclinginfrastruktur und Marktnachfrage bestehen, kann das vollständige Recycling von Kartonverpackungen für Lebensmittel und Getränke einen weiteren Weg zurück in die produktive Nutzung eröffnen. In Indien und den Vereinigten Staaten wird dieser Weg bereits genutzt, um aus recycelten Kartonverpackungen Dachabdeckungen, Wandplatten und andere Bauprodukte herzustellen.
„Die wachsende Bandbreite an Möglichkeiten, die sich heute auf den Endmärkten bieten, ist sehr erfreulich“, sagt Kinga. „Von Papier- und Hygieneprodukten bis hin zu Logistiklösungen und Baumaterialien zeigt jede Anwendung den Wert auf, den wiedergewonnene Materialien noch lange nach ihrer ersten Verwendung schaffen können.“
Die Nachfrage nach recycelten Materialien ist nicht statisch. Sie entwickelt sich stetig weiter, da Technologien weiterentwickelt sowie neue Richtlinien eingeführt werden und Unternehmen nach neuen Möglichkeiten suchen, recycelte Materialien in ihre Produkte zu integrieren.
Weltweit investieren Unternehmen in Technologien, Anwendungen und Geschäftsmodelle, die die Einsatzmöglichkeiten für recycelte Materialien erweitern können. Diese Innovationen tragen dazu bei, die Nachfrageseite der Recycling-Wertschöpfungskette zu stärken, indem sie aus wiedergewonnenen Materialien Rohstoffe für weitere Produkte und Sektoren machen. Das Ergebnis ist ein Kreislauf, in dem die Nachfrage Investitionen fördern kann, Investitionen die Recyclingkapazität unterstützen und die Recyclingkapazität dazu beitragen kann, einen zusätzlichen Mehrwert aus wiedergewonnenen Materialien zu erschließen.
Sammlung und Sortierung helfen dabei, Materialien in das Recyclingsystem zu überführen. Die Nachfrage sorgt dafür, dass sie in Bewegung bleiben.
Keiner dieser beiden Aspekte kann isoliert erfolgreich sein. Starke Endmärkte sind auf eine zuverlässige Versorgung mit hochwertigen Materialien angewiesen. Gleichzeitig sind Sammel- und Recyclingsysteme effektiver, wenn eine klare Nachfrage nach ihren Erzeugnissen besteht.
„Angebot und Nachfrage sind zwei Seiten derselben Wertschöpfungskette“, sagt Kinga. „Sammlung, Sortierung, Recyclingkapazitäten und Absatzmärkte müssen sich gemeinsam weiterentwickeln.“ Wenn dies der Fall ist, können Materialien länger im Umlauf bleiben und auch lange nach ihrer ersten Verwendung weiterhin Wert schaffen.“
Die stärksten Recyclingsysteme basieren nicht auf einer einzigen Maßnahme. Sie entstehen, wenn sich Politik, Infrastruktur, Innovation und Marktnachfrage gegenseitig verstärken, sodass wiedergewonnene Materialien sowohl einen Weg in das System als auch einen Grund finden, in Gebrauch zu bleiben, was den Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft unterstützt.
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