2021-08-20
KENIA

Verbesserung der Lebensgrundlagen in Kenia

Tetra Pak unterstützt als Partner im Rahmen eines Molkereizentrum-Modells 30.000 kenianische Kleinbauern und ihre Familien darin, ihre Milchproduktion und ihr Einkommen zu steigern und dabei gleichzeitig mehr Frauen und junge Menschen in die Wertschöpfungskette für Milchprodukte einzubeziehen.
 
Eine Milliarde Menschen sind auf den Milchsektor angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und Gemeinschaften in allen Teilen der Welt zu erhalten.1 In Kenia sind Kleinbauern für fast 80 Prozent der gesamten Milchproduktion verantwortlich. Die mangelnde Infrastruktur und Erfahrung hat in Kenia bisher jedoch den zuverlässigen Zugang zu sicheren und nahrhaften Lebensmitteln erschwert. Um dies zu verbessern und die wachsende Nachfrage nach Milch und Milchprodukten in Kenia zu decken, wurde das Kenya Market-Led Dairy Value Chain Supply Project (KEMDAP) ins Leben gerufen. Das über vier Jahre laufende Projekt wird von SIDA, der schwedischen Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, finanziert und von Heifer International umgesetzt.
 
Tetra Pak beteiligt sich zusammen mit Tetra Laval Food for Development und seinem Molkereizentrum-Modell am KEMDAP-Projekt. Gemeinsam mit SIDA und Heifer International arbeiten sie daran, 30.000 Kleinbauern mit einem engagierten Milchverarbeiter zu verbinden – in diesem Fall New Kenya Cooperative Creameries (NKCC). Dies trägt dazu bei, den Bauern einen stabilen Marktzugang und eine sichere Verteilung von UHT-behandelter Milch in ganz Kenia zu ermöglichen. Dies ist für die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit im Land von entscheidender Bedeutung, da die Milch eine längere Haltbarkeit hat. Auch abgelegene Regionen sind dadurch ohne Kühlkette belieferbar.
Bauern mit Kühen, Molkereizentrum in Kenia

Zusammenarbeit mit Referenzbetrieben, um ganze Gemeinschaften zu inspirieren

„Das Tetra Laval Food for Development-Team arbeitet direkt mit einheimischen Agrarfachkräften zusammen, die die Kleinbauern mit Rat und Wissen unterstützen. Wir bieten den Agrarberatern technisches und praktisches Training, das diese wiederum weitergeben. Im KEMDAP-Projekt nutzen wir eine Referenzfarmmethode. Wir arbeiten eng mit 11 sorgfältig ausgewählten Referenzlandwirten zusammen, die offen für Veränderungen sind und das Potenzial haben, ihre Mitmenschen zu inspirieren. Wir setzen bewährte Verfahren und Verbesserungen in den ausgewählten Referenzbetrieben um. In landwirtschaftlichen Diskussionsgruppen und an Demonstrationstagen wird dieses Wissen dann an die umliegenden Bauerngemeinden weitergegeben“, erklärt Lynda McDonald, Projektmanagerin für die Entwicklung der Milchwirtschaft bei Tetra Laval Food for Development.

Es war aufgrund der zahlreichen Herausforderungen kein einfacher Weg für die Landwirte. Die starke Unterstützung der Agrarberater half ihnen jedoch, Probleme wie den Mangel an sauberem Frischwasser, mangelhafte Buchführung und das Fehlen eines ordnungsgemäßen Managements zu lösen und so die Produktion und Rentabilität zu erhöhen.

Das Referenzfarmermodell ist sowohl bei den Landwirten als auch bei den Agrarberatern beliebt. Einer von ihnen, Edwin Taurus, hat es wie folgt ausgedrückt: „Es geht darum, zu den Bauern gehen, ihnen zuhören und sie zu verstehen, für sie da zu sein und ihnen Mut zu machen – es stärkt die Bindung zwischen uns und gibt ihnen den Mut zur Veränderung.“ Sein Kollege Eliud Lagat stimmt zu: „Es ist praktisch und realistisch, was die Produktion anbelangt. Außerdem finde ich es toll, weil die Bauern damit wirklich gut zurechtkommen.“

Auch Nelson Sang, ein Referenzfarmer aus Nandi County, pflichtet dem bei: „Das Projekt hat mich motiviert. Ich habe viel gelernt und den Mut gefunden, meinen Nachbarn und meiner Gemeinde zu zeigen, wie man die Milchwirtschaft verbessern kann. Es hat sich wirklich nachhaltig ausgewirkt. Die Leute beginnen zu verstehen, dass man mit nur einer Milchkuh eine Familie ernähren und ein gutes Einkommen erzielen kann“, erklärt er.

Aufgrund des Erfolgs des Referenzfarmprojekts prüfen die Bezirksregierungen derzeit, wie sie das Programm im Rahmen ihrer Beratungsdienste umsetzen können. Ziel ist die Weiterbildung von Landwirten mithilfe einer Vielzahl von Kommunikations- und Lernaktivitäten in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit und Betriebswirtschaftslehre.

Eine positive Veränderung schaffen 

Ziel des Projekts ist genau diese positive Auswirkung auf die breitere Gemeinschaft. Da die Landwirte jetzt Zugang zu einem stabilen Markt und einem zuverlässigen Einkommen haben, steigt auch die nationale Lebensmittelsicherheit. Die Milch wird jetzt im Molkereizentrum verarbeitet, pasteurisiert und verpackt und nicht mehr roh auf der Straße verkauft.

„Das Projekt kommt der ganzen Gemeinde zugute. Es trägt zur Verbesserung der Lebensgrundlagen bei. Ein höheres Einkommen wird oft für eine bessere Ernährung, Schulbildung – insbesondere für Mädchen – und einen angemessenen Wohnraum eingesetzt. Die Einnahmen aus dem Projekt lösen eine spürbar positive Feedbackschleife in diesen ländlichen Gemeinden aus“, sagt Lynda.

Der Schlüssel zum Erfolg des Molkereizentrum-Modells ist die menschliche Verbindung. Viele Kleinbauern sind misstrauisch gegenüber Veränderungen. Daher ist es für die Agrarberater nicht immer leicht, sie zur Einführung neuer Arbeitsweisen zu ermutigen.

„Wir konzentrieren uns auf das menschliche Verhalten und Faktoren, die den Wandel fördern oder behindern. Die alleinige Weitergabe technischer Informationen ist nicht ausreichend. Wir müssen verstehen, wer für Veränderungen offen ist und warum manche Landwirte zögern. Oft hilft es, ihnen den persönlichen Nutzen zu veranschaulichen. Wir beschäftigen uns intensiv damit, die richtigen Leute ins Boot zu holen. Personen die in der Lage sind, die breitere Gemeinschaft zu Veränderungen zu inspirieren und zu ermutigen“, sagt Lynda.

Mann füttert Kühe, Molkereizentrum in Kenia

Frauen stärken und den Lebensstandard verbessern

Madgeline Buigut gehört zu den 11 Referenzfarmern. Sie arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in der Milchwirtschaft, ohne bislang jedoch viel Gewinn erzielt zu haben. Das hat sich nun geändert und ihr Hof ist stark gewachsen. Madgeline freut sich auch, dass mehr Frauen die Chance bekommen, Farmen zu führen und andere dazu zu inspirieren, ihrem Beispiel zu folgen.

„Traditionell gehörten in der Kalenjin-Gemeinschaft nur Ziegen und Hühner den Frauen, während Kühe den Männern vorbehalten waren. Aber jetzt sind wir aktiv an der Kuhhaltung beteiligt. Unser Lebensstandard hat sich dadurch verbessert“, erklärt Madgeline. 

„Farmer, die keine Kuh haben, gelten in der Tat als arm. Daher ist die Verbesserung der Milchkuhhaltung ein Symbol für Wohlstand und Wachstum. Wir möchten ihnen die Möglichkeit bieten, ihren Lebensstandard zu verbessern“, erklärt Jeremiah Rotich, Agrarberater und Kollege von Edwin und Eliud.

Madgeline und andere Referenzfarmer veranstalten monatliche Gesprächsrunden, zu denen sie Landwirte aus der Region einladen, um ihnen zu vermitteln, wie man einen Milchbetrieb führt, und sich über Erfolge und Herausforderungen auszutauschen. An ihnen nehmen auch immer mehr Frauen teil, die den Einstieg in die Milchwirtschaft gewagt haben.

„Wir ermutigen Frauen und junge Menschen dazu, in der Landwirtschaft zu arbeiten, da sie damit Geld verdienen können. Milch ist gesund. Sie bietet Sorgenfreiheit. Landwirtschaft ist keine schmutzige Arbeit“, erklärt Madgeline.

Seit dem Start des KEMDAP-Projekts ist die Milchproduktion der 30.000 beteiligten Landwirte um 19 % gestiegen. Durch das verbesserte Management und die gesteigerte Rentabilität hat sich auch das Einkommen der Farmer erhöht. Das durchschnittliche jährliche Nettohaushaltseinkommen ist von 201 US-Dollar auf 1.777 US-Dollar gestiegen.

Das Molkereizentrum-Modell

Im Jahr 2017 gingen Tetra Laval Food for Development und Tetra Pak eine Partnerschaft mit SIDA (Swedish International Development Cooperation Agency), New Kenya Cooperative Creameries (NKCC) und Heifer International in Kenia ein, um 30.000 Kleinbauern im Rahmen eines Molkereizentrum-Modells zu unterstützen.

Die sechs Hauptziele des Molkereizentrum-Modells:

  • Höhere Milchproduktion der Kühe
  • Höheres Produktionsniveau der Farmen
  • Verbesserung der Milchqualität
  • Steigerung der Milchsammlung in den Sammelzentren
  • Stärkere Präsenz von Frauen und jungen Menschen in der gesamten Wertschöpfungskette
  • Verbesserung der technologischen und ökologischen Entwicklung
Das Referenzfarmprojekt
 
In der ersten Phase des Referenzfarmprojekts wurden die Betreiber von 11 Referenzfarmen individuell von einem Agrarberater geschult und bewertet. Das Projekt befindet sich derzeit in der zweiten Phase. Darin halten die Referenzfarmen Gruppenschulungen ab und tauschen bewährte Verfahren und Erfahrungen aus. Das Programm soll auch dem zukünftigen Wissensaustausch dienen. 

Die Gesamtmilchproduktion ist durch das Projekt bisher um 32 % gestiegen und die Milchproduktion pro Kuh um 45 %. Da die durchschnittliche Anzahl der Kühe gleich geblieben ist, kann der Anstieg auf optimierte Praktiken und ein verbessertes Management zurückgeführt werden.

„Wir sind stolz auf die großartigen Ergebnisse für die beteiligten Kleinbauern, zu denen die starke Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Rahmen des KEMDAP-Projekts geführt hat. Die Produktivitätssteigerung der Farmen wird langfristig sozioökonomische nicht nur für die Kleinbauern und ihre Familien, sondern auch für die Gemeinden und die Gesellschaft insgesamt von Nutzen sein. Es ist außerdem großartig zu sehen, dass sich auch Frauen und junge Menschen an dem Projekt beteiligen, da der Fortbestand des Milchsektors davon abhängt, dass die jüngeren Generationen eine nachhaltige Zukunft in der Milchwirtschaft finden“, erklärt Jonathan Kinisu, Managing Director bei Tetra Pak East Africa.

https://www.globaldairyplatform.com/wp-content/uploads/2018/04/gdp-annual-report-online.pdf