So können Sie Ihre bestehende Produktionslinie umstellen und vom Hafer-Trend profitieren

Lebensmittelhersteller konnten schon häufiger verfolgen, wie die Branche durch ein neues Produkt, in diesem Fall Getränke auf Haferbasis, auf den Kopf gestellt wurde. Die entscheidende Frage ist jedes Mal: „Wie können wir auf den Zug aufspringen?“ Es gibt zwei Antworten auf diese Frage: eine lautet, eine neue Prozesslinie, wie unsere Best-Practice-Linie für Hafergetränke, zu kaufen, die andere wäre, eine bestehende Linie umzubauen. Sehen wir uns die zweite Lösung einmal etwas genauer an.

Selim Yildiz, Kategorieleiter für Getränke auf pflanzlicher Basis bei Tetra Pak, erklärte, dass es einigen Herstellern leichter fallen wird als anderen, die zunehmende Beliebtheit von Hafer zu nutzen.
"Die Umstellung von Milch auf Hafergetränke ist ein relativ unkomplizierter Prozess", so Yildiz. „Bei Herstellern von Säften, Nektaren und stillen Getränken sieht die Sache allerdings ganz anders aus.“

Hafergetränk in einer Tetra Pak Verpackung

Möglichkeiten für Hersteller von Milchprodukten

Der Prozess und die Anlagen zur Herstellung von Milch und Getränken auf Haferbasis (auch Milchalternativen genannt) sind sehr ähnlich. Die Ultrahocherhitzung (UHT) beispielsweise ist ähnlich in beiden Prozessen. Bei der Herstellung von Getränken auf Haferbasis muss jedoch das Verfahren an die unterschiedliche Beschaffenheit des Hafers angepasst werden.

Dies sind drei Szenarien für die Umstellung einer Milchproduktionslinie:

Szenario 1:

Minimierte Investitionskosten bei Verwendung von flüssigem Hafercompound oder hydrolysiertem (enzymatisch behandeltem) Hafermehl als Ausgangsrohstoff

Dieses Szenario bietet die schnellste Markteinführungszeit und bringt Ihre Produkte mit dem geringstmöglichen Kapitalaufwand (CAPEX) in die Regale. Die hier beschriebenen Upgrades gelten sowohl für die UHT-Linie für direkte als auch für indirekte Erhitzung:

  • Ergänzen Sie die Linie durch eine Tetra Pak® Dispergieranlage, um den Hafer mit Wasser, Kalzium, Öl, Salz usw. zu mischen. Ziel ist es, das richtige Mundgefühl zu erreichen und die finale Formulierung durchzuführen.
  • Fügen Sie der Tetra Pak® UHT-Anlage für indirekte Erhitzung einen Entgaser hinzu (falls noch nicht vorhanden), um eine bessere Produktqualität zu erreichen
  • Vergrößern Sie die Wärmeübertragungsfläche des Wärmetauschers basierend auf der neuen Produktspezifikation und dem neuen Temperaturprogramm, da Getränke auf pflanzlicher Basis in der Regel einen größeren Bereich für die Erhitzung und Abkühlung benötigen als Kuhmilch (Hinweis: Der Wärmetauscher sollte ein Röhrenwärmetauscher mit Produkt-zu-Wasser-Wärmerückgewinnung (CM-Typ) sein.
  • Der Heißhalter muss möglicherweise verlängert werden, da ein höherer Wärmeeintrag empfohlen wird.
  • Ergänzen Sie den Heißwasserkreislauf durch eine Durchflussregelung und erhöhen Sie die Kapazität, um die speziellen Bedingungen jeder Linie zu berücksichtigen.
  • Verwenden Sie ein neues Cleaning in Place(CIP)-Programm und fügen Sie entsprechende Komponenten hinzu, um zusätzliche Reinigungsmittel zu dosieren und eine effiziente Reinigung der UHT-Anlage zu erreichen. Wenn Fasern vorhanden sind, sollte eine Rückspülungsfunktion integriert werden und die CIP-Flüsse sollten erhöht werden.
  • Rüsten Sie den Homogenisator so nach, dass er in nachgelagerten Produktionsschritten der Wärmebehandlung für die UHT-Anlage für indirekte Erhitzung arbeitet.
  • Rüsten Sie bestimmte Komponenten des Homogenisators mit robusteren Materialien nach, da Hafermehl abrasiv sein kann.
  • Wenn die bestehende UHT-Anlage veraltet ist, wird möglicherweise ein neues Bedienpanel benötigt, um die Upgrades und Softwareänderungen steuern zu können.

„Das Ziel ist eine schonendere Wärmebehandlung mit einem niedrigeren Delta T, um Fouling zu minimieren“, sagt Yildiz. „Eine aseptische Homogenisierung ist vorzuziehen, da beim Endprodukt dadurch ein geschmeidigeres Mundgefühl erreicht wird und es sich nicht sandig anfühlt.“

Yildiz schätzt, dass die Integration des neuen Prozesses, einschließlich Anlageninstallation, Softwareupdates und andere Details, wie die Wiederinbetriebnahme der Anlage, vier Monate oder mehr dauert, abhängig von den bestehenden Anlagen und Standortbedingungen.

Szenario 2:

Szenario 1 plus zusätzliche Änderungen, wenn nicht-hydrolysiertes Hafermehl als Ausgangsrohstoff verwendet wird.

In diesem Fall muss das Hafermehl einer enzymatischen Behandlung unterzogen werden. Daher muss eine Tetra Pak® Extraktionsanlage ohne Mahlanlage installiert werden. Die Gesamtbetriebskosten sind niedriger, allerdings sind die Investitionskosten im Vergleich zum ersten Szenario erheblich höher.

  • Fügen Sie eine zweite Dispergieranlage hinzu, um das Hafermehl vor der enzymatischen Behandlung aufzulösen. Auch ein Zuführsystem für das Mehl wird benötigt.
  • Installieren Sie ein Zuführsystem für Enzyme.
  • Ein temperaturgesteuerter Bereich für die Enzymbehandlung wird benötigt, um eine Hydrolyse durchzuführen und den Süßegrad des Haferslurries einzustellen.
  • Fügen Sie ein Modul zur Enzymdeaktivierung hinzu, welches enzymatische Aktivitäten durch die Wärmebehandlung stoppt.
  • Installieren Sie einen Dekanter für die Faserabtrennung, um nicht lösliche Bestandteile zu entfernen.

Szenario 3:

Szenarien 1 und 2 plus zusätzliche Änderungen, wenn Haferkörner oder -flocken als Ausgangsrohstoff verwendet werden

Ähnlich wie in Szenario 2 müssen die Haferkörner oder -flocken einen Mahlschritt durchlaufen, gefolgt von einer enzymatischen Behandlung. Weiterhin sollte eine Tetra Pak® Extraktionsanlage mit allen Ausrüstungsteilen installiert werden. Die Gesamtbetriebskosten sind erheblich reduziert, bedenken Sie jedoch, dass die Anschaffungskosten am höchsten sind. Diese Linienkonfiguration wird Produzenten empfohlen, wenn die Hauptartikel Haferprodukte sind und eine bestimmte Produktionsschwelle für eine schnelle Kapitalrendite (ROI) erreicht werden muss.

  • Installieren Sie eine Mahlanlage zum Mahlen von Körnern oder Flocken, einschließlich eines entsprechenden Zufuhrsystems.

Herausforderungen für Hersteller von milchfreien Produkten

Produzenten von Saft, Nektar und stillen Getränken, die eine bestehende Produktionslinie umstellen möchten, müssen mit mehr Schwierigkeiten und höheren Kosten rechnen.

„Es müssen viel mehr Dinge berücksichtigt werden, von der Nachrüstung der Selbstreinigungs-CIP-Funktion des Pasteurs über die Umrüstung des Pasteurs zu einer UHT-Anlage bis zum Hinzufügen eines Homogenisators“, sagte Yildiz. „Jeder spezifische Produktionsstandort sowie die Details zum Upgrade bestehender Anlagen müssen sehr sorgfältig bewertet werden. In Anbetracht dieser Kosten und Komplexitäten könnte es sinnvoll sein, den Kauf einer komplett neuen UHT-Linie in Erwägung zu ziehen.“

Überlegungen für Hersteller von Saft, Nektar und stillen Getränken, die Pasteure besitzen

Neben den oben beschriebenen Punkten, die sich speziell auf Milchprodukte beziehen, müssen Hersteller von Saft, Nektar und stillen Getränken auch Folgendes berücksichtigen:

  • Die zentrale CIP-Station der Anlage muss möglicherweise um einen Säuretank ergänzt werden, da in Produktionsanlagen für Saft, Nektar und stille Getränken dieser Schritt häufig nicht vorhanden ist.
  • Pasteure vom Typ Plattenwärmetauscher müssen gegen UHT-Anlagen vom Typ Röhrenwärmetauscher ausgetauscht werden, um längere Standzeiten zu erreichen.
  • Pasteure vom Typ Röhrenwärmetauscher müssen um weitere Röhren ergänzt werden, da ein Saft-Pasteur mit 95 °C als UHT-Anlage mit etwa 140 °C arbeiten muss.
  • Installieren Sie einen aseptischen Tetra Pak Homogenisator oder rüsten Sie den bestehenden Homogenisator für einen nachgelagerten Betrieb nach.
  • Fügen Sie einen Tetra Pak Steriltank hinzu, um eine höhere Produktqualität zu erreichen und Produktverluste zu verringern.
  • Fügen Sie ein spezielles Tetra Pak CIP-Modul hinzu, um den Steriltank zu reinigen, oder ergänzen Sie die bestehende CIP-Station um eine neue Druckleitung.

Yildiz rät Herstellern von flüssigen Lebensmitteln aller Art und Größenordnung, die Vor- und Nachteile der Umstellung einer bestehenden Linie oder der Investition in eine neue Linie sorgfältig abzuwägen, bevor sie in den Markt für Getränke auf Haferbasis einsteigen. In beiden Fällen ist es empfehlenswert, mit einem vertrauenswürdigen Anbieter zusammenzuarbeiten, um den Umstellungsprozess zu vollziehen.

"Unabhängig davon, für welchen Weg Sie sich entscheiden, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass eine beträchtliche Investition an Zeit und Ressourcen erforderlich ist. Es ist aber alles möglicherweise einfacher als Sie denken und durch die große und steigende Nachfrage der Verbraucher lohnt sich die Investition für viele Hersteller definitiv.“

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